Lastprofile der Anlagenkennlinie lesen und verstehen

Erfahren Sie, wie man Lastprofile für typische Pumpenanwendungen interpretiert.

Sie müssen das Lastprofil Ihrer Anwendung verstehen,  um die richtige Pumpe auswählen zu können.  

Allerdings ist das Lastprofil eigentlich gar kein Bestandteil der Pumpenkennlinie,  sondern der Anlagenkennlinie.  

Der Grund ist, dass Pumpen mit konstantem Betriebspunkt bald veraltet sein werden.  

In diesem Modul sehen wir uns an,  warum die Verwendung von weniger Zwischenspeichern und Regelventilen  sowie die zunehmende Verbreitung von drehzahlgeregelten Pumpen dafür sprechen,  dass die meisten Pumpenanwendungen einen schwankenden Bedarf haben.  Das Wasserverbrauchsmuster einer Anlage hängt von der Anwendung ab.  

In Wohngebäuden gibt es zum Beispiel  am Morgen Zeiten, in denen besonders viel Warm- und Kaltwasser verbraucht wird –  wenn alle auf einmal duschen. 

Nachts ist dagegen der Bedarf niedrig, weil alle schlafen.  Ein weiteres Beispiel ist das Wasserverbrauchsmuster  der Klimaanlage in einem Gewerbegebäude.  

Das Verbrauchsmuster hängt von der Wärmelast im Gebäude ab.  

Diese wird wiederum durch andere Faktoren beeinflusst,  wie der Anzahl an Menschen, die sich auf einmal im Gebäude befinden,  dem Klima,  der Isolierung des Gebäudes,  der Ausrichtung des Gebäudes in Bezug auf die Sonneneinstrahlung,  der Gebäudebeleuchtung und  der Auswahl der Geräte und Kühler.  Bei einer Bewässerungsanlage mit Zonen  hängt das Wasserverbrauchsmuster beispielsweise ab von:  der Pflanzenart,  der Art der Bewässerungsanlage,  den Niederschlagsmengen,  der Umgebungstemperatur und  der Verdunstung und Luftfeuchtigkeit.  

Unser letztes Beispiel ist ein industrieller Produktionsstandort.  Hier kann das Wasserverbrauchsmuster unvorhersehbar sein und abhängen von:  den Produktionsmengen,  der Anzahl an Schichten pro Tag und  dem spezifischen Wasserbedarf der Maschinen.  

Das Lastprofil kann für all diese Beispiele bestimmt werden,  indem man schätzt, wie viele Stunden pro Tag  die Anlage einen bestimmten Wasserdurchfluss erfordert.  

Sobald wir das Lastprofil bestimmt haben,  können wir auf grundfos.com unsere Pumpe auswählen.  Falls diese Informationen noch nicht bekannt sind,  kann das Auslegungstool auf grundfos.com  ein nicht spezifisches Lastprofil für viele Anwendungen liefern.  Beim Auswählen einer Pumpe für variable Durchflüsse muss man unbedingt beachten,  dass der maximale Durchfluss nicht die ganze Zeit über benötigt wird.  Daher muss man Pumpen auswählen,  deren Wirkungsgrad bei niedrigeren, häufigeren Durchflüssen am besten ist.  Das mag zunächst unlogisch erscheinen.  Denn wir nehmen gern Pumpen mit optimalem Wirkungsgrad bei maximalem Durchfluss.  

Aber so erhält man nur eine Anwendung, die mehr Energie verbraucht als nötig.  

Im folgenden Beispiel wählen wir eine Pumpe für den Wasserverbrauch  eines typischen 13-stöckigen Gebäudes mit 146 Wohnungen aus.  

Ein Berater hat den Verbrauch im Gebäude geprüft  und festgestellt, dass der Wasserverbrauch  95 % der Zeit weniger als 10 % des Auslegungsdurchflusses beträgt.  Das Auslegungstool auf grundfos.com  hilft bei der Auswahl der optimalen Lösung für die Anwendung.  

Wählen Sie zunächst „Pumpenfamilie“ aus,  dann „Hydro MPC“  und „Hydro MPC-E“.  Geben Sie Förderstrom und -höhe ein. Klicken Sie auf den Pfeil.  Scrollen Sie nach unten zur Berechnung der Lebenszykluskosten.  Dann ausklappen und „Standardprofil“ auswählen.  So kann das Auslegungstool  ein nicht spezifisches Lastprofil für die Druckerhöhung anwenden.  

Es gibt noch weitere Optionen. Man kann „Proportionaldruckregelung“  mit 0 % Abnahme bei niedrigem Förderstrom einstellen und die konstante  Druckregelung simulieren, oder den Zinssatz auf 0,3 % einstellen.  Klicken Sie dann auf „Auslegung beginnen“.  Wählen Sie jetzt das erste Ergebnis aus. Es hat die geringsten Lebenszykluskosten.  Jeder orange Kreis in der Pumpenkennlinie  entspricht einem Betriebspunkt im Lastprofil.  Je größer der orange Kreis,  desto länger läuft die Pumpe auf diesem Betriebspunkt.  

Die orange Linie, die durch die Kreise verläuft,  ist die Regelkennlinie.  

Die Pumpenauswahl ist auch mit einem individuellen Lastprofil möglich.  

Diese Option ist für fortgeschrittene Benutzer gedacht.  Starten Sie dazu die Produktauswahl neu.  

Wählen Sie „Anwendung“ aus, „Öffentliche Gebäude und Gewerbeobjekte“  und „Druckerhöhung für Gewerbeimmobilien“.  Klicken Sie auf den Pfeil.  Wählen Sie „Mittelbarer Anschluss bei Gewerbeimmobilien“ aus.  Geben Sie die Werte für „Q“,  „geodätische Höhe“,  „Rohrreibungsverluste“ und  „Fließdruck am Verbraucher“ ein.  

Wir rechnen hier keine Verluste ein, um das Lastprofil abzubilden.  Scrollen Sie nach unten.  Klappen Sie „Belastungsprofil ändern“ aus.  Wählen Sie „Benutzerprofil“  und „Direkte Q/H-Eingabe“ aus.  Wenn Sie diese Option verwenden,  wird ein Sicherheitszuschlag von 25 % für den max. Förderstrom hinzugerechnet.  Geben Sie die Werte für das Lastprofil ein.  Klappen Sie „Konfiguration“ aus und wählen Sie  „2 Pumpen“ ohne Reservepumpen aus.  Klicken Sie dann auf „Auslegung beginnen“.  Jetzt können Sie das erste Produkt mit den geringsten Lebenszykluskosten auswählen  oder die gewünschte Produktfamilie.  

Für unser Beispiel brauchen wir eine Hydro MPC-E,  weil sie einen geringen Energieverbrauch hat.  

Das Lastprofil ist wichtig für Energieverbrauchsschätzungen,  die zum Vergleichen von Pumpen herangezogen werden.  

Jetzt können Sie Ihr neu gewonnenes Wissen über Lastprofile  für eine bessere Pumpenauswahl nutzen.  

Kursübersicht

Module
Module: 3
Dauer
Dauer: 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad
Schwierigkeitsgrad: Einfach